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Gerichtsurteil gegen direkten Blutverdünner

Thrombosebehandlung

Neues zu den direkten Blutverdünnern

Wie Ihr meinem Blog bereits häufiger entnehmen konntet, stehe ich den direkten Blutverdünnern eher kritisch gegenüber und habe die Gründe dafür auch immer wieder dargestellt.

Dass die Zweifel an den direkten Blutverdünnern nicht vollkommen unbegründet sind, zeigt ein aktuelles Urteil eines US-Gerichts gegen die Firma Bayer. Eine Jury in Philadelphia hat einer Frau insgesamt fast 28 Millionen US-Dollar zugesprochen. Das Unternehmen muss Schadenersatz zahlen, weil es nicht ausreichend auf die Nebenwirkungen seines Gerinnungshemmers Rivaroxaban (Xarelto®) hingewiesen habe. Der Konzern will sich allerdings gegen das Urteil weiter juristisch wehren. Bleibt abzuwarten, wie die Sache ausgehen wird.

Quelle: DAZonline, 06.12.2017


Vitamin-K-Antagonisten (VKA) oder direkte Blutverdünner?

Und weiter geht der Streit darüber, ob die direkten (früher: neuen) Blutverdünner (z. B. Dabigatran oder Rivaroxaban) Vorteile gegenüber der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten (wie z. B. Marcumar oder Warfarin) haben oder nicht.

Hier gab es einige neue Veröffentlichungen in letzter Zeit, welche ich Euch nicht vorenthalten möchte, damit Ihr bei der Wahl die für Euch richtige Entscheidung treffen könnt.

So stellte die DAZonline am 06.02.2017 bezüglich der oralen Antikoagulanzien die Frage: „Wirkt Dabigatran prothrombotisch?“

Eine Metaanalyse aus 2013 hatte gezeigt, dass die direkten Thrombininhibitoren anscheinend das Herzinfarktrisiko im Vergleich zu Warfarin leicht erhöhen. Eine Münchner Forschergruppe ist nun dieser Ursache auf den Grund gegangen und stellt mit ihren in-vitro-Experimenten (also Experimenten, die nicht in Lebewesen, sondern im Reagenzglas durchgeführt wurden) fest, dass Thrombozyten (also die Bluttplättchen) von Dabigatran-haltigem Patientenblut stärker zusammenklumpen und Thromben bilden, als VKA-haltige Blutproben. Ebenso war die Thrombusbildung unter Dabigatran bei artherosklerotischen Plaques oder im Mausmodell bei verletzten Carotis-Arterien höher, als unter VKA. Dies ist besonders erschreckend, da ja gerade in solchen Situationen die Thrombenbildung unter allen Umständen vermieden werden sollte, weswegen das Medikament ja eingenommen wird.  

Die Forscher postulieren daher, dass Dabigatran möglicherweise prothrombotisch wirkt, also die Thrombenbildung fördert, was dramatisch wäre, da es ja die Thrombosebildung verhindern sollte.

Ein zweiter interessanter Artikel erschien im arznei-telegramm im Dezember letzten Jahres: „Rivaroxaban bei Vorhofflimmern und koronarer Stenteinlage … Vorteile gegenüber Warfarin zweifelhaft“.

Hier beschäftigen sich die Autoren mit der PIONEER-AF-PCI-Studie, welche Rivaroxaban (Xarelto) mit Warfarin (Coumadin) bei zusätzlicher Plättchenhemmung wegen Stenteinlage vergleicht und kommen zu dem Schluss, dass das Studienkonzept erhebliche Mängel aufweist, da zu niedrige und für Vorhofflimmern nicht zugelassene Rivaroxaban-Dosierungen mit zu hoch dosiertem Warfarin verglichen wurden. Ebenso seien weder schwere noch leichte Blutungen unter Rivaroxaban seltener. Die Autoren erachten einen Vorteil von Rivaroxaban gegenüber Vitamin-K-Antagonisten bei Patienten, die wegen nichtvalvulären Vorhofflimmerns Blutverdünner erhalten müssen und einen koronaren Stent benötigen, als nicht belegt.

Quellen:

Thrombose und Flugreise: was gilt es, zu beachten?

Thrombose und Flugreise

Sommerzeit ist Reisezeit.

Und immer öfter zieht es uns in ferne Regionen.
Günstige Flugreisen locken dazu, fremde Länder auf anderen Kontinenten zu entdecken, oftmals auf der anderen Seite der Erde.

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch der lange Flug.

Jede Flugreise stellt schon für einen gesunden Menschen eine große Belastung für den Körper dar. Die Zeitverschiebung sorgt für einen unangenehmen Jetlag. Die radioaktive Strahlung in 10 Kilometern Höhe ist nicht unbedeutend und stärker als am Boden. Die trockene Luft im Flugzeug führt zu Flüssigkeitsverlusten des Körpers und zum Eindicken des Blutes. Dazu kommt noch der geringere Druck, wodurch sich die Gefäße weiten. Beides zusammen stellt schon eine Herausforderung an das Herz-Kreislauf-System, Blut durch den Körper zu pumpen. Kommt dann noch die fehlende Bewegung hinzu, insbesondere während Nachtflügen, wo man im Sitzen schläft, dann staut sich das Blut sehr schnell in den tiefen Beinvenen und es kann leicht zu einer Thrombose kommen.
Fatal dabei ist, dass sich die Thrombose oft nicht sofort bemerkbar macht, sondern erst Tage nach dem Flug. Denn, wenn man sich dann im Urlaub wieder viel bewegt, kann es passieren, dass sich das Blutgerinnsel löst und an einer anderen Stelle die Vene verstopft. Auch kann es zu einer Lungenembolie oder einem Schlaganfall führen. Schlimmstenfalls geschieht dies in einer abgelegenen Region, ohne Krankenhaus und ärztliche Hilfe in der Nähe. Daher bleibt hier zu bedenken, nicht allein zu reisen, damit immer jemand Hilfe holen kann.

Hast Du bereits eine Thrombose gehabt, so potenziert sich das Risiko, auf einer Flugreise eine erneute Thrombose zu bekommen, dramatisch.

Muss man daher auf Flugreisen verzichten?

Eindeutige Antwort: Nein!

Aber: es gilt, wichtige Regeln einzuhalten, welche ich hier näher erläutern möchte.

Kurzstreckenflüge innerhalb Europas von 1 - 3 Stunden sind hierbei nicht wirklich problematisch.

Gefährlich wird es erst bei Langstreckenflügen, welche länger als 4 - 6 Stunden andauern.

Standardmäßig gilt, je billiger der Flug, desto höher ist das Thromboserisiko. Auch Fluggesellschaften müssen ihre Margen hereinholen. Je niedriger der Preis, desto mehr wird am Komfort gespart. Bedeutet: fehlende Beinfreiheit, enge Bestuhlung und jedes Extra kostet, auch Getränke. Dabei ist Bewegung und viel Trinken während solcher Flüge besonders wichtig.
Übrigens, der Vorschlag, im Flugzeug auf und ab zu gehen ist nicht wirklich in die Tat umsetzbar. Zum einen sind die Gänge viel zu schmal und Du stehst dauernd dem Flugpersonal im Wege. Zum anderen muss man während Turbulenzen angeschnallt sein und sollte dies auch aus Sicherheitsgründen sonst während des gesamten Fluges sein.

Als Thrombosepatient sollte man bei Langstreckenflügen auf Economy und billig verzichten und eine Klasse höher fliegen.

Viele Fluglinien bieten in der Business-Class Liegesitze an und hier hat man mehr als genug Beinfreiheit. First Class ist daher nicht notwendig. Klar, Business Class kostet schon ein bisschen mehr, aber dafür ist es für die Gesundheit von Personen mit einem erhöhten Thromboserisiko sicherer, da Du die Beine hochlagern und liegend schlafen kannst.
Wenn Du absolut auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst Du Dir zudem kurz vor dem Flug eine Heparinspritze verabreichen. Heparinspritzen sind meist zum Selbstkostenpreis in den Krankenstationen der Flughäfen erhältlich und können dort auch gegen einen Aufpreis verabreicht werden, wenn man sich nicht selbst spritzen kann oder möchte.
In diesem Fall können Patienten mit durchlebter Thrombose, die jedoch nicht mehr behandlungsbedürftig sind, und keine bleibenden Schäden hatten, auf Kompressionsstrümpfe im Flieger verzichten.
Wichtig ist zudem, viel zu trinken und die Füße und Beine zu bewegen, indem Du häufiger mit den Füßen wippst und Dehnübungen machst, für die Du den Platz nicht verlassen musst. Ziehe zu Deinem eigenen Komfort die Schuhe aus und stattdessen dickere Socken über (im Flieger kann es kalt werden).
So gewappnet muss man auch nach einer überstandenen Thrombose nicht auf längere Flugreisen verzichten, sollte diese jedoch so selten wie möglich antreten. Es gibt auch sehr reizvolle und schöne Orte und Regionen in Deutschland und Europa.
Und immer daran denken, eine zweite Heparinspritze für den Rückflug einzupacken (darf ins Handgepäck)!

Was tun, wenn das Geld nur für Economy reicht?

Meine Empfehlung: Auf einen Langstreckenflug der Gesundheit zu Liebe verzichten!

Wenn Du dennoch unbedingt fliegen möchtest oder beruflich sogar fliegen musst (wobei ich beruflich vom Arbeitgeber immer Business aus Gesundheitsgründen verlangen würde) und nur die Möglichkeit für die Economy Class hast, solltest Du folgende Ratschläge dringend befolgen, wenn Du schon einmal eine Thrombose hattest:

  • Heparin zur Gerinnungshemmung kurz (!) vor dem Flug spritzen
  • Kompressionsstrümpfe tragen
  • Die Zeit vor dem Flug in den Wartehallen dazu nutzen, auf- und abzulaufen und nicht hier schon die ganze Zeit sitzen
  • während des Fluges viel(!) trinken, insbesondere Wasser
  • Alkohol, Kaffee, Limonaden und Tomatensaft vermeiden
  • Schuhe ausziehen, dicke Socken gegen kalte Füße überziehen
  • Venenpumpe durch Wippen mit den Füßen immer wieder aktivieren, Beingymnastik
  • abgeknickte, einseitige Haltung während des Schlafes im Sitzen vermeiden, auch Nachts viel trinken und oft bewegen
  • Keinen Fensterplatz, sondern einen Gangplatz reservieren, dort kann man die Füße eher ausstrecken und hat die Möglichkeit, öfter aufzustehen, um zur Toilette zu gehen (aufgrund des vielen Trinkens), auch nachts, ohne andere in der Sitzreihe zu stören
  • mehr Beinfreiheit ist oft an den Notausgängen oder Flugabteiltrennungen vorhanden
  • keine Gepäckstücke unter dem Vordersitz lagern, was die Beinfreiheit noch stärker einschränkt
  • nicht allein reisen, damit im Fall der Fälle jemand für Hilfe sorgen kann

Übrigens, auch wer noch keine Thrombose hatte, sollte die Punkte beachten (statt Kompressionsstrümpfen können Reisestrümpfe/Travelstrümpfe/Stützstrümpfe getragen werden).

So, das war das Wichtigste in Kürze. Solltest Du weitergehende Fragen haben, beantworte ich Dir diese gerne. Schreib mir einfach in den Kommentar.

Gerne bin ich Dir auch bei der Planung Deiner Reise behilflich, damit diese vollkommen „antithrombosetauglich“ ablaufen kann.
In diesem Fall wende Dich bitte über mein Kontaktformular auf meiner Homepage an mich und wir werden die weitere Vorgehensweise besprechen.

Ansonsten wünsche ich Dir einen wunderschönen, stressfreien und erholsamen Urlaub!

Genieße die Zeit und lebe Dein Leben!


Darf ich als Marcumar-Patient Lebensmittel mit Vitamin K essen?

Blutverdünner und Gemüse:

Sind Grünkohl, Spinat und Brokkoli für Markumar-Patienten gefährlich?

Vielfach wird man als Marcumar-Patient vor dem Verzehr von Vitamin-K-haltigen Lebensmitteln gewarnt. Insbesondere vor solchen Gemüsen, welche besonders viel Vitamin K enthalten, wie z. B. Grünkohl, Spinat und Brokkoli.

So findet sich in der Fachinformation von Marcumar folgender Hinweis:
„Einnahme von Marcumar mit Nahrung und Getränken … Allerdings reduziert die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin K-haltigen Nahrungsmitteln die antikoagulative Wirkung des Marcumars.“
Auch in der Packungsbeilage steht:
„Vitamin K aktiviert verschiedene Gerinnungsfaktoren. Die Wirkung von Marcumar wird herabgesetzt.“
„Da die Wirkung von Marcumar durch Vitamin K verringert wird, sollten Sie bestimmte Nahrungsmittel wie Broccoli, Grünkohl, Rosenkohl, Spinat, Weizenkeime und Zwiebeln nur in Maßen zu sich nehmen, da sie viel Vitamin K enthalten.“

Als Marcumar-Patient kann einem bei diesen Warnhinweisen schon bange werden. Hat man doch gerade eine Thrombose hinter sich, so wäre es der Super-GAU, wenn man jetzt durch falsches Essen die Wirkung des Marcumars herabsetzt und eine erneute Thrombose bekommen würde.

Was ist der Grund für die Warnhinweise?

Dazu ein kurzer Ausflug in die Wirkung von Marcumar und Vitamin K:
Die Blutgerinnung ist ein sehr komplexes System, bei dem viele Proteine/Gerinnungsfaktoren mitwirken. Dem Vitamin K kommt in diesem System eine bedeutende Rolle zu, weil es verschiedene dieser Proteine zur Blutgerinnung aktiviert. Dabei wird das Vitamin K selbst verändert und muss anschließend wieder in seinen Ursprungszustand zurückgeführt werden, damit es wieder von neuem bei der Blutgerinnung mitwirken kann.
An dieser Stelle setzt das Marcumar ein. Es verhindert, dass das veränderte (verbrauchte) Vitamin K wieder regeneriert, also in seinen Ursprungszustand zurückversetzt wird. Dadurch steht das Vitamin K nicht mehr als Aktivator der Proteine zur Verfügung, womit die Blutgerinnung nicht mehr erfolgen kann.
Nimmt man nun über die Nahrung viel neues Vitamin K zu sich, würde es die Wirkung des Marcumar vermindern.

Sollte man daher lieber völlig auf Spinat und Co verzichten?

Ganz klare Antwort: Nein!

Rein theoretisch ist es zwar korrekt, dass vermehrte Vitamin-K-Aufnahme die Wirkung von Marcumar vermindert, daher muss der Hersteller aus haftungsrechtlichen Gründen auch ganz klar darauf hinweisen.

Aber wie sieht es praktisch aus?

Für eine gesunde Lebensführung ist es wichtig, regelmäßig und täglich Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. Wer sich in dieser Art und Weise bisher ausgewogen ernährt hat, der kann sich unter Marcumar genauso weiter ernähren, wie vorher.
Der Grund hierfür ist die regelmäßige Bestimmung des INR-Wertes. Durch diese Messung wird die tägliche Aufnahme von Vitamin K ja berücksichtigt und die korrekte Menge an Marcumar zur Einnahme bestimmt. Das bedeutet, dass sich selbst ein Vegetarier unter Marcumar so weiter ernähren könnte, wie vorher (wobei er im Vergleich zu anderen Patienten eben einfach nur eine regelmäßig höhere Marcumar-Dosis benötigen würde).
Wer natürlich nie Obst und Gemüse isst, aber dann mit einem mal drei Portionen Spinatauflauf auf einmal verdrücken möchte, für denjenigen könnte es ein Problem werden, da die Marcumar Dosis anhand der bisherigen Messungen auf eine Vitamin-K-arme Ernährungsweise eingestellt ist. Aber auch in diesem Fall muss man nicht unbedingt auf die Mahlzeit verzichten, man sollte jedoch Maß halten, und die INR-Messwerte im Auge behalten.

Fazit

Wer regelmäßig und in etwa gleichen Mengen Obst und Gemüse isst, und ebenfalls regelmäßig in nicht zu großen Abständen die Blutgerinnungswerte bestimmt, kann unbedenklich alle Obst- und Gemüsesorten variieren und muss auch auf Grünkohl, Brokkoli und Spinat nicht verzichten.

Es gilt, maßvolles Essen schadet nicht und wie sagte schon Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.“

Du hast weitere Fragen zu dem Thema? Dann schreib mir!

Und mit dem Newsletter wirst Du über Neuigkeiten immer aktuell informiert.

Quellen:

Fachinformation Marcumar, Stand Mai 2015


Kann ich nach einer Thrombose wieder normal leben?

Was passiert mit der verstopften Vene?

Das Wichtigste vorab: je schneller die Thrombose erkannt und behandelt wird, umso größer sind die Chancen, dass keine bleibenden Schäden entstehen!

Daher bei entsprechenden Anzeichen nicht in der Hoffnung abwarten, es bessere sich vielleicht wieder von selbst, sondern sofort den Arzt oder die Notaufnahme aufsuchen!

Sorgen verständlich

Eine akute tiefe Beinvenenthrombose kann nicht nur zur Schwellung des Beines führen, sondern auch mit extremen Schmerzen einhergehen, welche auch nach Beginn der Behandlung noch über einen längeren Zeitraum andauern können. In dieser Situation ist es absolut verständlich, wenn man sich Sorgen darüber macht, ob die körperlichen Einschränkungen dauerhaft bleiben, oder ob man wieder in der Lage sein wird, normal zu laufen, Sport zu treiben und allen Aktivitäten nachzugehen, die man vor der Thrombose auslebte.

Hier kann ich beruhigen: Im Normalfall wird man nach der Behandlung/Heilung wieder voll einsatzfähig sein.

Akute Thrombose und Sofortmaßnahmen

Ein Blutgerinnsel hat eine tiefe Vene im Bein verstopft. Hierdurch kann das Blut nicht mehr in ausreichenden Mengen zum Herzen zurücktransportiert werden, wodurch es zur Schwellung des Beines kommt. Wie gesagt, jetzt ist schnellstmögliches Handeln erforderlich: sofort den Arzt aufsuchen.

Durch die Gabe von Blutgerinnungshemmern, wie Heparin und später z.B. Marcumar, wird verhindert, dass der Blutpfropfen (Thrombus) größer wird.

Mittels sofort beginnender Kompressionstherapie wird die Schwellung des Beines behandelt. Kompressionsstrümpfe sorgen in der Folgezeit dafür, dass das Bein nicht erneut anschwillt und können die durch die Thrombose verursachten Schmerzen bei Belastung mindern.

Was passiert eigentlich nach der Thrombose?

Nach einer akuten tiefen Beinvenenthrombose sucht sich das Blut für den Rücktransport andere Wege. Anfänglich können auch oberflächliche Venen dabei eine Rolle spielen. Allerdings hat der Körper bereits seit der Geburt eine Art Notumleitungssystem eingerichtet. Sogenannte Kollateralvenen können in gewissem Umfang die Arbeit der verstopften Vene übernehmen. Diese Kollateralvenen besitzen ebenfalls Venenklappen, welche den Rückfluss des Blutes verhindern und den Transport unterstützen. Selbst wenn die Hauptvene weiterhin verstopft bleibt, können die Kollateralvenen ihre Kapazität erhöhen und die Transportarbeit vollständig übernehmen. Wichtig hierbei ist, dass man den Prozess der Stärkung der Kollateralvenen durch viel Bewegung unterstützt.

In den meisten Fällen wird die verstopfte Vene jedoch wieder rekanalisiert, also wieder durchgängig. Je schneller die Rekanalisierung erfolgt, desto weniger Schaden nehmen die Venenklappen. Die Schnelligkeit der Rekanalisation ist von Größe und Alter des Thrombus abhängig. Gerade daher ist es so wichtig, möglichst schnell nach einer Thrombose mit der Therapie zu beginnen. In dem Fall besteht eine hohe Chance, dass die Vene rekanalisiert werden kann, ohne zu starke bleibende Schäden an den Venenklappen.

Auf jeden Fall startet der Körper nach einer Thrombose und bei entsprechender korrekter Behandlung Reparaturmaßnahmen, welche dazu führen, dass Umgehungsbahnen eingerichtet werden oder die Venen wieder rekanalisiert werden, so dass man zukünftig wieder allen vorherigen Aktivitäten nachgehen kann.

Kontrolluntersuchungen durch Fachärzte oder Venenkliniken zeigen den Verlauf der Heilung. Zeigen die Untersuchungen dass die Venen wieder einwandfrei arbeiten, kann nach ca. einem halben Jahr auf die Blutverdünner verzichtet werden und die Kompressionstherapie langsam beendet werden.

Bewegung zwingend

Eine Umstellung muss man jedoch vornehmen:

Bewegung, Bewegung, Bewegung!

Langes Sitzen und Stehen ist zu vermeiden. Und wenn es doch einmal unumgänglich ist, z.B. bei einem Flug, dann sollte man prophylaktisch Heparin spritzen.

Und wenn die Venen doch nicht mehr richtig funktionieren?

Zeigen die Kontrolluntersuchungen, dass die Venenklappen kaputt sind, ist das auch kein Grund zum Verzweifeln. Um hier ein postthrombotisches Syndrom zu verhindern, ist Bewegung ebenfalls das „A und O“! Auch in diesem Fall wird man wieder allen Aktivitäten nachgehen können, wie vorher, allerdings ist die Überlegung zu stellen, ob man dauerhaft einen Kompressionsstrumpf tragen sollte.

Fazit:

Im Regelfall wird man nach der Genesung einer tiefen (Bein-)Venenthrombose wieder genau so fit sein wie vorher und alle Aktivitäten, welche man vorher unternommen hatte, weiterhin unternehmen können.


Schaden oder Nutzen von Kompressionsstrümpfen

Kompressionsstrümpfe zur Thromboseprophylaxe

Kompressionstherapie gemäß Leitlinie

Die aktuelle Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie“ der „Deutschen Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin“ besagt zur Kompressionstherapie nach einer Thrombose:

„Um Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms zu reduzieren, sollte frühzeitig mit einer Kompressionstherapie begonnen werden.
Die Kompressionstherapie ist ausschließlich in dem Bein indiziert, in dem eine Thrombose nachgewiesen wurde. Eine prophylaktische Therapie, z.B. bei einer Lungenembolie ohne Nachweis einer peripheren Thrombose ist nicht erforderlich. Für die Armvenenthrombose ist der Nutzen einer routinemäßigen Kompressionstherapie nicht belegt.“

Die Kompressionstherapie dient der Behandlung der durch die Venenthrombose verursachten akuten Beschwerden. Darüber hinaus soll durch die Therapie ein postthrombotisches Syndrom (Folgeschäden durch die Venenthrombose) verhindert werden.

Der tägliche Kampf mit dem Kompressionsstrumpf

Wer schon einmal Kompressionsstrümpfe tragen musste, kennt die Qual.
Schon das Anziehen der Strümpfe stellt eine Herausforderung dar, insbesondere, wenn man wenig Kraft in den Händen hat und in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Selbst entsprechende Anziehhilfen wie „Hospitalbutler“ oder Handschuhe helfen nicht immer weiter. Wie schnell zerreißt ein Kompressionsstrumpf dabei, oder es bildet sich eine Laufmasche. Sehr ärgerlich, denn dann kann man den Kompressionsstrumpf nur noch wegwerfen, selbst bei der kleinsten Laufmasche ist die Funktion des Kompressionsstrumpfes nicht mehr gewährleistet.

Hat man den Kompressionsstrumpf dann an, geht die Tortur erst richtig los:
Trotz Haftband rutscht der Kompressionsstrumpf, unter dem silikonbesetzten Halteband schwitzt die Haut und reagiert allergisch, das Material des Kompressionsstrumpfes juckt und kratzt. Im Sommer sind die Kompressionsstrümpfe bei Hitze eine Qual und gerade als junger Mann wird man oft angestarrt, wenn man unter den Shorts Oberschenkelstrümpfe trägt.

Damit nicht genug: Beim Sitzen schneidet der Strumpf in die Kniekehle, das Haftband drückt in die Haut und die Strumpfspitze kann schmerzhaft die Zehen quetschen.

Der Kompressionsstrumpf soll den Rücktransport des Blutes aus dem Bein in Richtung Herz unterstützen, doch in diesen Momenten stellt man sich die sicherlich nicht unberechtigte Frage: hindert der in die Kniekehle einschneidende Strumpf dort nicht eher den Blutfluss?
Insbesondere zu eng angemessene Kompressionsstrümpfe können zu Minderdurchblutung und Gewebeschäden führen.

Wie sieht die aktuelle Studienlage aus?

Leider eher dürftig.

Die aktuelle Leitlinie bezieht sich auf Studien aus den Jahren 1997 und 2004, nach denen das langfristige Tragen von Kompressionsstrümpfen das Auftreten des postthrombotischen Syndroms verringert.

Allerdings zeigt eine neue Studie aus dem Jahr 2014 genau das Gegenteil. Zwar lässt eine genaue Analyse dieser Studie Zweifel an dem Studiendesign aufkommen, allerdings gibt es weitere Studien, welche zeigen konnten, dass es unter der Therapie mit Kompressionsstrümpfen zu unerwünschten Wirkungen an der Haut und Hautschäden kommt.
Ein Umstand, der jedem Träger von Kompressionsstrümpfen, der schon einmal zu einer Hautkrebs-Vorsorge-Untersuchung war, bekannt ist. Unter dem Auflicht-Mikroskop sieht die Haut, welche dem ständigen Druck des Strumpfes ausgesetzt ist, verändert aus. Ebenso stellt sich auch die Frage, ob das Bindegewebe durch die ständige Entlastung auf Dauer seine Stützfunktion verliert, so dass irgendwann gar nicht mehr auf den Kompressionsstrumpf verzichtet werden kann, weil das Bein sonst sofort ödematös anschwellen würde.

Gerade aufgrund der durch die Studie aus dem Jahr 2014 entfachten Diskussion über Nutzen oder Schaden von Kompressionsstrümpfen, wurden einige neuere Studienanalysen (2016) durchgeführt, zu denen möglichst alle bisher durchgeführten Studien herangezogen und ausgewertet wurden.

Keine eindeutige Studienlage

Das Ergebnis ist ernüchternd:
Die Studienlage zur Klärung des Nutzens der Kompressionstherapie ist unzureichend.

Die bisherige Studienlage ist zu heterogen, um eine eindeutige Aussage zu Gunsten oder gegen die Kompressionstherapie zu treffen. Es finden sich sowohl Studien, welche einen Nutzen der Kompressionstherapie belegen, als auch Studien, die das Gegenteil zeigen.

Aus Sicht der bisherigen Studienlage bleibt daher nur eine Aussage zur Evidenz für die Therapie:
Weitere methodisch sorgfältig durchgeführte Studien sind zum Nachweis und Beleg des Nutzens der Kompressionstherapie erforderlich.

Empfehlung für den Patienten

Solange die Studienlage nicht eindeutig geklärt ist, sollte der Betroffene gemäß der Leitlinie direkt nach der tiefen Beinvenenthrombose mit der Kompressionstherapie beginnen und diese für sechs Monate fortführen.
Die Kompression unterstützt die Venenklappen und mindert die Schwellung.
Zudem ergibt sich auch ein psychologischer Effekt: Der Kompressionsstrumpf mindert die Angst, eine neue Thrombose zu bekommen.

Zeigen die Kontrolluntersuchungen nach 6 Monaten, dass die Venen wieder einwandfrei funktionieren, kann der Kompressionsstrumpf abgesetzt werden. Wichtig ist dann aber auf jeden Fall langes Sitzen oder Stehen zu vermeiden, ausreichend Sport zu betreiben und sich viel zu bewegen, um die Venenpumpe aktiv zu betätigen.

Entscheidung mittragen

Oftmals fällt es den Ärzten, selbst in den Fachkliniken, nicht leicht, die Entscheidung zu treffen, dass auf den Kompressionsstrumpf verzichtet werden kann. Auch wenn die Kontrolluntersuchung ergeben hat, dass die Venen wieder optimal funktionieren, wird zum prophylaktischen Weitertragen, insbesondere bei längerem Sitzen oder Stehen geraten.

Hier muss man dann leider als Patient selbst die Entscheidung treffen, was man tut.

Was kann der Grund für den Arzt sein, gegen die Leitlinien zu entscheiden?

Zum einen können dies rechtliche Bedenken des Arztes sein: Setzt er den Kompressionsstrumpf ab und bekommen Sie danach eine erneute Thrombose, könnten Sie möglicherweise Haftungsansprüche gegen ihn geltend machen.
Zum anderen sind Kompressionsstrümpfe auch ein Wirtschaftsfaktor, z.B. wenn die Strümpfe direkt in der medizinischen Einrichtung angepasst und vertrieben werden.

Fazit

Nach erstmaliger tiefer Beinvenenthrombose und guter Regeneration, so dass nach sechsmonatiger Kontrolluntersuchung keine venösen Funktionsdefizite mehr nachweisbar sind, kann die Kompressionstherapie beendet werden.

Quellen:  

  • AWMF-Leitlinien-Register Nr. 065/002, Venenthrombose und Lungenembolie: Diagnostik und Therapie, Stand 05.01.2016
  • Arznei-Telegramm 2009, Jg. 40, Nr. 7, S. 65
  • Arznei-Telegramm 2010, Jg. 41, Nr. 10, S. 105-6
  • Dr. Susan R. Kahn et al: Compression stockings to prevent post-thrombotic syndrome: a randomized placebo-controlled trial. The Lancet, Early Online Publication, 6. Dezember 2013, doi: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61902-9
  • Schwahn-Schreiber C. et al: Wearing compression stockings after deep vein thrombosis is still helpful. Phlebologie 2014; 43 (3): 137-139, http://dx.doi.org/10.12687/phleb2200-3-2014
  • Burgstaller J. M. et al: Efficacy of compression stockings in preventing post-thrombotic syndrome in patients with deep venous thrombosis: a systematic review and metaanalysis. VASA. Zeitschrift für Gefäßkrankheiten; VOL: 45 (2); p. 141-7, 8. April 2016, http://dx.doi.org/10.1024/0301-1526/a000508
  • Skervin A. L. et al: Systematic Review and Meta-Analysis of Utility of Graduated Compression Stockings in Prevention of Post-Thrombotic Syndrome. European journal of vascular and endovascular surgery : the official journal of the European Society for Vascular Surgery, 26. März 2016, http://dx.doi.org/10.1016/j.ejvs.2016.02.022


Austausch von ärztlich verordnetem Marcumar (Phenprocoumon) gegen billige Generika in Apotheken bald verboten!

Erfreuliche Nachricht für Patienten!

Gemeinsamer Bundesausschuss hat Substitutionsausschlussliste erweitert und will Austausch von Marcumar in der Apotheke verbieten!

Aufgrund gesetzlicher Sparmaßnahmen in unserem Gesundheitswesen sind Apotheken seit einigen Jahren zur Abgabe preisgünstiger Arzneimittel verpflichtet.
Für den Patienten bedeutet dies, hat der Arzt das Originalmedikament Marcumar verordnet und den Austausch nicht per Kreuz auf dem Rezept ausgeschlossen, erhält man in der Apotheke nur ein billiges Generikum, entsprechend den mit den Krankenkassen abgeschlossenen Rabattverträgen (die sogenannte aut-idem-Regelung).
Schlimmstenfalls erhält man als Patient bei jeder neuen Verordnung ein Arzneimittel von einem anderen Hersteller, je nachdem, wie viele Hersteller dem Rabattvertrag beigetreten sind. Zudem werden die Verträge alle zwei Jahre neu ausgeschrieben und ändern sich damit in recht kurzen Zeitabständen.

Austausch nicht ohne Risiko

Gerade bei Medikamenten, welche schon in geringsten Mengen hochwirksam sind (man spricht von geringer therapeutischer Breite), kann dieser Austausch die korrekte Behandlung gefährden.
Durch ständig wechselnde Verpackungen der verschiedenen Hersteller wird der Patient zusätzlich verunsichert, worunter die Einnahmetreue (Compliance oder Adhärenz) leiden kann.
Doch damit ist bald Schluss!

Austauschverbot für Marcumar kommt

Der Gemeinsame Bundeausschuss hat jetzt beschlossen, dass der zur Blutgerinnungshemmung eingesetzte Wirkstoff Phenprocoumon (Tabletten) von der Apotheke generell nicht mehr durch ein wirkstoffgleiches Produkt ersetzt werden darf.
Für den Patienten bedeutet dies zukünftig: hat der Arzt das Originalpräparat Marcumar verordnet, so muss dieses in der Apotheke auch abgegeben werden. Gleiches gilt für jedes andere namentlich verordnete Arzneimittel, welches den Wirkstoff Phenprocoumon enthält und in Tablettenform vorliegt. Ein Austausch darf nicht mehr vorgenommen werden, es muss abgegeben werden, was der Arzt verordnet hat!

Beschluss noch nicht rechtskräftig

Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zum Austauschverbot von Phenprocoumon (Marcumar) wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Prüfung vorgelegt.
Sofern das BMG den Beschluss nicht beanstandet, wird der Austausch von Phenprocoumon-Arzneimitteln, wie z. B. Marcumar, durch Apotheken bald der Vergangenheit angehören.

Mehr Sicherheit für Marcumar-Patienten

Bleibt zu hoffen, dass das Bundesministerium für Gesundheit den Beschluss absegnet und damit die höhere Sicherheit der Therapie mit Phenprocoumon gewährleistet.
Sobald der Beschluss in Kraft getreten ist, werde ich natürlich darüber berichten!

Quelle:

  • Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 21. April 2016, Berlin


Bluterguss unter Marcumar

Bluterguss durch Blutgerinnungshemmer

„Der blauer Fleck“

Sicherlich hat sich jeder schon einmal gestoßen oder einen leichten Boxer auf den Körper bekommen und kann sich daran erinnern, wie schnell so etwas zu einem „blauen Fleck“ führen kann.  

Was ist eigentlich ein „blauer Fleck“?

Medizinisch wird der „blaue Fleck“ als Bluterguss, bzw. Hämatom bezeichnet. Durch einen Schlag auf die Körperoberfläche werden kleine Blutgefäße im Körpergewebe gequetscht und verletzt. Das austretende Blut kann nicht ablaufen und sammelt sich unter der Haut im Körpergewebe. Der frische Bluterguss sieht dunkelrot aus, durch die Farbe des Blutes. Verfärbt sich der Bluterguss nach rötlichblau, ist dies ein Zeichen, dass das Blut geronnen ist. Danach erfolgt der Abbau, wodurch sich die Farbe weiter verändert, über dunkelblau, braun bis dunkelgrün zu hellgrün und gelb, bis er ganz verschwunden ist.  

Marcumar und Blutergüsse

Als Blutverdünner hemmt Marcumar die Blutgerinnung, um so zu verhindern, dass sich in den Adern erneut Blutgerinnsel bilden können. Das hat leider auch den Nachteil, dass das Blut in den Fällen, in denen die Gerinnung erwünscht ist, eben bei Verletzungen, länger nachblutet. Die Blutung stoppt dann erst verzögert. So leider auch bei Quetschungen der Haut und des Körpergewebes. Zudem können dadurch bereits kleinste und leichteste Verletzungen schon zu Blutungen führen.

Dadurch können Marcumar-Patienten selbst bei richtiger Einstellung schon bei den kleinsten Stößen und harmlosen Kläpsen auf den Körper gehörige Blutergüsse bekommen.

Radtour mit Hämatom  

Ich kann mich hier noch an ein für mich damals zunächst erschreckendes Ereignis erinnern. Ich hatte seit Beginn meiner Marcumar-Therapie erstmalig wieder eine Radtour unternommen. Keine besonders lange oder anstrengende. Abends musste ich dann feststellen, dass ich über den gesamten inneren Oberschenkel einen riesigen Bluterguss hatte, obwohl ich mich nirgendwo gestoßen hatte. Wie war das möglich? Hier hatte schon die Reibung der Hose während des Pedaltrampelns ausgereicht. Der Druck, den die Hose bei der Aufwärtsbewegung des Beines während des Radfahrens ausgeübt hat, war durch die ständige Wiederholung ausreichend, dass es unter der Haut so feine Quetschungen gab, dass Blut austreten konnte. Da die Reizung über die gesamte Dauer der Tour anhielt, wurde der Fleck auch entsprechend groß.

Was tun bei Bluterguss unter Marcumar?

Zunächst kann man bei so einem Anblick in Panik geraten. Ich gebe zu, dass auch ich direkt den Arzt aufgesucht habe. Doch der konnte mich ganz schnell beruhigen. Bei Marcumar-Patienten entsteht ein Bluterguss zwar viel schneller und sieht dann oft auch viel bedrohlicher aus, ist am Ende aber ebenso harmlos, wie sonst meistens auch.

Um nicht in unnötige Sorgen auszubrechen, ist es zum einen wichtig, sich der vermehrten und schnelleren Bildung von Blutergüssen im Vorfeld bewusst zu sein, um entsprechend vorsichtiger zu agieren.
Zum anderen darf man über die Blutergüsse nicht erschrecken, wenn sie sich dann doch einmal bilden, da sie oft um ein Vielfaches schlimmer aussehen können, als man es von vor der Therapie gewohnt ist und als sie es wirklich sind. Meist sind diese Blutergüsse letztlich ebenfalls harmlos und verschwinden wieder von selbst.
Solange es sich um einen einfachen Bluterguss unter der Haut handelt, welcher örtlich begrenzt bleibt und nicht zu stark anschwillt, keine besonderen Schmerzen verursacht und sich wie oben beschrieben verfärbt und von selbst abheilt, ist es nicht unbedingt notwendig, einen Arzt aufzusuchen.  

Sollte der Bluterguss dagegen ungewöhnliche Ausmaße annehmen, zu besonders starken Schwellungen führen, bis in tiefe Körperbereiche hineinreichen und (starke) Schmerzen bereiten, ist unbedingt zu einem schnellen Arztbesuch zu raten. Ebenfalls auch dann, wenn sich der Bluterguss nicht von selbst zurückbildet. Solltest Du Dir unsicher sein, wie Du Dich verhalten sollst: manchmal kann ein Arztbesuch auch der eigenen Beruhigung dienen. Auf jeden Fall sollte die Region mit dem Bluterguss geschont werden.
So habe ich die Konsequenz gezogen, mir eine Hose mit Stretchgewebe zu besorgen und das Problem mit Blutergüssen durch Radfahren war behoben.  

Wie ist es Euch bisher mit diesem Thema ergangen? Schreibt mir doch mal Eure Erfahrungen: info@olaf-dierstein.de


Verhütungsmittel erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel!

Thrombose und Lungenembolie durch Verhütungsmittel

Das Risiko der Bildung von Blutgerinnseln unter kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln ist nicht erst seit gestern bekannt, erhält allerdings in letzter Zeit aufgrund spektakulärer Gerichtsverfahren immer mehr Beachtung in der Öffentlichkeit.

In den Packungsbeilagen wird das Risiko für Blutgerinnsel in den Venen oder Arterien zwar explizit erwähnt, allerdings dann nur als seltene Nebenwirkung aufgeführt.

Risiko unterschätzt?

Könnten Anwenderinnen das Risiko für Blutgerinnsel hierdurch vielleicht unterschätzen?

Wie brisant das Thema ist, und dass das Risiko nicht unterschätzt werden sollte, insbesondere wenn man bereits an anderen Erkrankungen leidet, die das Risiko zusätzlich erhöhen, oder für Blutgerinnsel aufgrund familiärer oder genetischer Eigenschaften prädestiniert ist (Grundrisiken), zeigen auch die behördlichen Auflagen für kombinierte hormonale Kontrazeptiva.

Seitdem 2005 die Risikomanagementpläne eingeführt wurden, kann die Behörde den Herstellern auferlegen, zusätzlich zu den Fach- und Gebrauchsinformationen auch Schulungsmaterialien als ergänzende Information für die sichere Anwendung zur Verfügung zu stellen. In bestimmten Fällen kann das Nutzen-Risiko-Verhältnis für diese Arzneimittel nur noch positiv beurteilt werden, wenn solche ergänzenden Schulungsmaterialien bereitgestellt werden.

Dass auch für die kombinierten hormonalen Verhütungsmittel diese Schulungsmaterialien von der Behörde gefordert wurden, zeigt, dass das Risiko für Blutgerinnsel nicht unterschätzt werden darf.  

Anwendung von Verhütungsmitteln mit Bedacht

Vor diesem Hintergrund sollten Anwenderinnen von kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln diese nicht zu sorglos verwenden, sondern sich über die möglichen, teils gravierenden, in seltenen Fällen sogar tödlichen Risiken einer Thrombose oder Lungenembolie bewusst sein.

Die Kenntnisse über die genauen Risiken können dann in der Entscheidungsfindung helfen, die Verhütungsmittel weiterhin anzuwenden, seltener zu verwenden oder ganz darauf zu verzichten und Alternativen zu suchen.

Schulungsmaterialien des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Risikoabwägung

Hierzu bieten die genannten Schulungsmaterialien eine Hilfe. Zu finden sind diese auf der Website des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte:

Für Patienten:
Schulungsmaterial für kombinierte hormonale Kontrazeptiva
Schulungsmaterial für cyproteronacetat- und ethinylestradiolhaltige Kombinationspräparate

Für Ärzte:
Schulungsmaterial für kombinierte hormonale Kontrazeptiva
Schulungsmaterial für cyproteronacetat- und ethinylestradiolhaltige Kombinationspräparate


Diagnose Thrombose! - Was nun?

Nach einer solchen Diagnose bleiben Sorgen und Ängste nicht aus. Du hast Fragen, welche oftmals selbst Arzt oder Apotheker nicht befriedigend beantworten können?

Um auch diese Fragen zu beantworten, möchte ich Dir mit meinen Videos und meinem Thromboseblog eine Plattform für Betroffene von Betroffenen bieten.

Schau einfach mal rein!


Erektionsstörung durch Marcumar?

Kann es unter Marcumar zu Erektionsstörungen, also einer erektilen Dysfunktion kommen?

In der Literatur findet sich dazu ein Hinweis. So schreibt Prof. Dr. Hartmut Porst im „Manual der Impotenz“ schon 2000: „Unter Antikoagulanzien wie Heparin oder Marcumar wurden ebenfalls Erektionsstörungen beschrieben, wobei der Wirkungsmechanismus unbekannt ist.“

Auch im Internet finden sich verschiedene Beratungsseiten, welche einen Zusammenhang zwischen Marcumar und Erektionsstörungen angeben. So schreibt auch die Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz) auf ihrer Website, dass unter Antikoagulanzien und (Blut-) Gerinnungshemmern Erektionsstörungen auftreten können. Allerdings beziehen sich diese Websites immer auf die oben genannte Aussage von Professor Porst.

Aussagekräftige Studien gibt es zu diesem Thema leider keine.   

Die Recherche in der Nebenwirkungsdatenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte weist gerade einmal einen einzigen Verdachtsfall zu Marcumar und Erektionsstörungen aus.

Das Lesen von Packungsbeilage und Fachinformation bringt uns ebenfalls nicht weiter, da die Hersteller dort keine Hinweise auf Erektionsstörungen als Nebenwirkungen aufführen.

Weshalb findet man kaum Meldungen und Informationen zum Thema Marcumar und Erektionsstörungen?

Die Gründe hierfür mögen verschieden sein. So werden erektile Dysfunktion, bzw. Erektionsstörungen bis heute immer noch gerne tabuisiert. Insbesondere jüngeren Männern fällt es schwer, dieses Thema anzusprechen. Vielfach wird Marcumar gerade von älteren Menschen eingenommen, so kann es sein, dass diese die Erektionsstörung nicht auf das Marcumar beziehen, sondern auf ihr fortgeschrittenes Alter.

Erektionsstörungen unter Marcumar

Dennoch besteht der Verdacht, dass Marcumar zu Erektionsstörungen führen kann.
In Internet-Foren finden sich diesbezüglich auch einige Anfragen betroffener Marcumar-Patienten. Dort liest man, dass es bei sexueller Erregung zwar zu einer Erektion kommt, diese allerdings nur von kurzer Dauer ist und bei sexueller Tätigkeit sehr schnell nachlässt. Wissenschaftlich gibt es hierzu leider, wie gesagt, noch keine Untersuchungen. Allerdings könnte vermutet werden, dass unter Marcumar zwar die Füllung der Schwellkörper mit Blut zur Erektion nicht verhindert wird, aber die stärkere Blutverdünnung möglicherweise dazu führt, dass die Drosselung des Blutabflusses aus den Schwellkörpern schlechter funktioniert und diese sich somit wieder schneller leeren und abschwellen.

Was tun bei Erektionsstörung unter Marcumar?

Abhängig von der Dauer der Anwendung des Blutverdünners Marcumar können die Empfehlungen unterschiedlich sein.
Nach einer akuten Venenthrombose wird nach Initialtherapie die Erhaltungstherapie für drei bis sechs Monate durchgeführt. Sprechen keine Kriterien dagegen, kann die Therapie mit Marcumar dann wieder abgesetzt werden.
Diese Vorgehensweise wird insbesondere bei jungen Männern zutreffend sein, welche erstmalig eine Thrombose hatten, nicht genetisch dafür prädestiniert sind und keine weiteren Risikofaktoren tragen. Durch Marcumar hervorgerufene Erektionsstörungen verschwinden nach dem Absetzen wieder. Da der Einsatz des Blutverdünners somit zeitlich eng begrenzt ist und die Erektionsstörung ein absehbares Ende hat, kann in dieser Zeit von einer medikamentösen Behandlung der Störung abgesehen werden. Es ist daher wahrscheinlich auch nicht notwendig, dass Thema großartig beim Arzt anzusprechen, insbesondere, wenn einem dieses Thema unangenehm ist.

Anders dagegen bei der Daueranwendung von Marcumar. Hier sollte der Betroffene das Thema Blutverdünner und Erektionsstörung auf jeden Fall mit seinem Arzt besprechen! In diesem Fall könnte eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, z. B. auch mit Viagra (Sildenafil). Zum einen wird die Erektionsstörung so aufgehoben und nicht zu einer zusätzlichen psychischen Belastung. Zum anderen wird nur so bekannt, dass Marcumar auch zu Erektionsstörungen führen kann, was vielleicht endlich bewirkt, dass die Nebenwirkung Einzug in die Packungsbeilage und Fachinformation findet und in Studien genauer untersucht wird.  

Wechselwirkungen zwischen Viagra und Blutverdünnern?

Prüft man Viagra und Marcumar auf Wechselwirkungen, so findet man in den Datenbanken keine Hinweise auf solche. Auch in Packungsbeilage und Fachinformation finden sich keine Wechselwirkungen zwischen den beiden Medikamenten.  

Dennoch sollte die Anwendung nicht bedenkenlos erfolgen, da es Hinweise auf existierende mögliche Wechselwirkungen gibt. So zeigte eine Veröffentlichung der Universität Valencia schon 2003 dass unter Sildenafil (Viagra) der INR-Wert ansteigen kann und es somit zu einem erhöhten Risiko für Blutungen kommen kann. Auch in der Packungsbeilage zu Viagra wird bei bekannten Störungen der Blutgerinnung zu Vorsichtsmaßnahmen vor der Einnahme geraten, weil Studien Hinweise darauf brachten, dass unter Sildenafil die Zusammenlagerung von Blutplättchen (Thrombozyten) und somit die Blutgerinnung vermindert werden. Da der INR-Wert unter Marcumar regelmäßig kontrolliert wird, sollte dieses Problem jedoch regelbar sein. Auf jeden Fall sollten die verordnenden Ärzte jedoch über die gleichzeitige Anwendung beider Arzneimittel in Kenntnis gesetzt werden.

Zudem sollten bezüglich der Häufigkeit der Anwendung von Viagra auch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt werden. So wurde gerade vor wenigen Tagen wissenschaftlich nachgewiesen, dass Viagra (Sildenafil) das Wachstum von Hautkrebs (bösartiges Melanom) fördert.
Weitere Informationen hierzu können in meinem Artikel „Viagra fördert Hautkrebs“ vom 23.03.2016 nachgelesen werden.

Literaturverzeichnis:

  1. Prof. Dr. Hartmut Porst, „Manual der Impotenz“, UNI-MED Verlag, 2000
  2. S2-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie, aktueller Stand: 10. Oktober 2015, Dt. Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin
  3. International Normalized Ratio (INR) increase in patients taking oral anticoagulant therapy (OAT) and using sildenafil (Viagra); Haematologica; January 2003; 88: ELT34
  4. Fachinformation Viagra, Pfizer, Stand: Oktober 2015


Viagra fördert Hautkrebs

Verdacht: Melanomwachstum unter Viagra (Sildenafil)

In meinem Beitrag vom 14.03.16 hatte ich vor den neuen Blutverdünnern gewarnt, weil die Langzeitnebenwirkungen noch nicht bekannt sind. Als Beispiel dazu hatte ich „Krebs“ genannt.
Und kurz danach treffe ich auf eine aktuelle Veröffentlichung, welche dazu ein Paradebeispiel bietet: Viagra fördert Hautkrebs.

Viagra fördert Hautkrebs

1998 wurde Viagra in der Europäischen Union zugelassen, ist somit mittlerweile bereits seit fast 20 Jahren im Markt. Und dennoch kommt man dem Krebsrisiko erst jetzt allmählich auf die Schliche.
Eine erste Vermutung, dass Sildenafil die Entstehung bösartiger Melanome fördert, ergab 2014 die Auswertung einer Langzeitstudie mit 14.912 amerikanischen Männern. Der Verdacht wurde durch eine zweite Studie an ca. 24.390 Männern aus Schweden in 2015 bestätigt.

Wissenschaftlich nachgewiesen: Sildenafil (Viagra) fördert Hautkrebs

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben jetzt herausgefunden, dass Viagra das Wachstum von Hautkrebs verstärken kann.
Die Wirkung von Viagra/Sildenafil bei der Erektionsstörung (erektilen Dysfunktion) beruht auf der Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase 5 (PDE5).
Doch gerade dieses Enzym baut einen Botenstoff (cyclisches Guanosinmonophosphat = cGMP) ab, welcher Melanome zum Wachstum anregt. Wird das Enzym PDE5 durch Viagra gehemmt, kann cGMP nicht mehr abgebaut werden. Die höhere Menge an cGMP fördert dann das Krebswachstum.
Durch diese Erkenntnisse wird der Verdacht auf ein gesteigertes Risiko für bösartige Melanome unter Sildenafil (Viagra) weiter erhärtet.

Vorsicht bei der Anwendung von Viagra

Zwar teilen die Forscher mit, dass trotz der bisherigen Studien und der neuen Ergebnisse kein Anlass bestünde, Männern von der gelegentlichen Einnahme von Sildenafil/Viagra zur Behandlung der Erektionsstörung abzuraten. Dennoch sollten Melanompatienten und Männer mit erhöhtem Risiko für Hautkrebs die Einnahme gut überdenken und mit ihrem Hautarzt absprechen. Letztendlich konnten alle Untersuchungen bisher leider noch nicht abschließend klären, ob das erhöhte Hautkrebsrisiko tatsächlich auf den Wirkstoff Sildenafil, das Arzneimittel Viagra, zurückzuführen ist. Vorstellbar wäre auch, dass Männer, die Viagra einnehmen, aufgrund ihres Lebensstils vermehrt Solarien besuchen oder im Urlaub zu intensive Sonnenbäder genießen. Hier bedarf es noch weitergehender Forschungen und Untersuchungen.

Viagra und Thrombose

Warum erwähne ich dieses Thema in meinem Thromboseblog?
Zum einen, um wie oben erwähnt zu zeigen, dass die Langzeitnebenwirkungen Krebs, Melanom oder Tumor eben erst viele Jahre später erkannt werden und in den Zulassungsstudien und bei der Zulassung oft noch gar nicht bekannt sein können.
Zum anderen kann das Thema Erektionsstörungen und erektile Dysfunktion auch den Thrombosepatienten betreffen, unter anderem aufgrund der Einnahme seiner Medikamente. Somit kann sich die Frage nach der Einnahme von Viagra (Sildenafil) auch für den einen oder anderen Thrombosepatienten stellen.
Leider ist das Thema Erektionsstörung auch heute noch oft ein „Tabu“-Thema, über das man nicht gerne spricht. Dennoch leiden Betroffene darunter enorm. Daher möchte ich mich in meinem Blog auch diesem Thema widmen und werde darüber im nächsten Artikel schreiben:
“Erektionsstörung durch Marcumar?”


Literaturverzeichnis:

  1. Sildenafil Use and Increased Risk of Incident Melanoma in US Men; JAMA Intern Med. 2014; 174(6):964-970; doi: http://dx.doi.org/10.1001/jamainternmed.2014.594
  2. Use of Phosphodiesterase Type 5 Inhibitors for Erectile Dysfunction and Risk of Malignant Melanoma; JAMA. 2015; 313(24):2449-2455. doi: http://dx.doi.org/10.1001/jama.2015.6604
  3. Sildenafil Potentiates a cGMP-Dependent Pathway to Promote Melanoma Growth; Cell Reports 2016; doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.celrep.2016.02.028


Marcumar oder neue Blutverdünner nach Thrombose?
Welche Medikamente sollte der Thrombosepatient bevorzugen?
Cumarine versus neue orale Antikoagulantien - Teil 2

Im zweiten Teil meines Beitrages geht es nochmals um die Frage: 

Welche Arzneimittel sollte man als Thrombosepatient bevorzugen?

Cumarine, wie z. B. Marcumar (Vitamin-K-Antagonisten (VKA)) oder neue orale Antikoagulantien (NOAK)?

Im ersten Teil hatte ich bereits berichtet, weshalb ein Monitoring (Kontrolle der Blutverdünnung oder Dosierung) für die Therapiesicherheit notwendig ist und festgehalten, dass das von den Herstellern als positiv propagierte fehlende Monitoring bei den neuen oralen Antikoagulantien kein Vorteil ist, sondern die Sicherheit der neuen Blutverdünner eher in Frage stellt.   

Heute möchte ich einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt ansprechen, welchen das Monitoring auf den Thrombosepatienten ausübt, der vielen Ärzten und Apothekern, ja selbst Betroffenen nicht wirklich bewusst ist.

Der psychologische Beruhigungseffekt des Monitorings in der Marcumar-Therapie

Im Gegensatz zu Marcumar ist bei den neuen Blutverdünnern ein Monitoring nicht vorgesehen. Dem Patienten bleiben somit die regelmäßigen Blutentnahmen und Messungen erspart. Ist dies wirklich ein Vorteil für den Betroffenen?  

Ich meine Nein!

In der Zeit nach der Thrombose trägt man ständig die Sorge mit sich, eine erneute Thrombose zu bekommen. Leider kann man nicht in seinen Körper hineinsehen, ob das Blut auch gut genug verdünnt ist und so die Bildung eines neuen Blutklumpens verhindert wird. Unter der Therapie mit Marcumar misst man jedoch regelmäßig die Blutverdünnung und hat so jedes Mal, wenn der Wert im grünen Bereich liegt, eine Beruhigung und Bestätigung, dass nichts passieren kann, weder die Bildung eines neuen Blutpfropfens, der die Adern wieder verstopft, noch das Auftreten gefährlicher Blutungen.  

Bei den neuen oralen Antikoagulantien hat man diese Beruhigung nicht. Hier muss man den Aussagen des Herstellers vertrauen, dass sich unter Einsatz des Medikamentes kein neues Blutgerinnsel bilden kann und die Medikamentenmenge pro Einnahme in korrekter Dosierung ins Blut aufgenommen wird und sicher ist. Was tatsächlich in Deinem Körper passiert, wieviel Wirkstoff aus der Tablette in Ihr Blut gelangt, weiß jedoch niemand, da es eben nicht mehr überprüft wird. Hierdurch fehlt dem Betroffenen die Beruhigung und Sicherheit, die er unter Marcumar erhalten hatte. Dieser psychologische Effekt sollte nicht vernachlässigt werden. Die Beruhigung durch gute Messwerte spielte für mich eine große Rolle und aus Gesprächen mit vielen anderen Betroffenen, weiß ich, dass es bei ihnen ebenso ist.

Dieses Sicherheitsgefühl, diese Beruhigung wird man unter Einsatz der neuen oralen Antikoagulantien niemals erhalten, weil man ohne Monitoring nicht wissen kann, was gerade wirklich im Körper abläuft. Und Vermutungen reichen eben nicht aus, um die tief im Unterbewusstsein liegende Sorge und Angst vor einer erneuten Thrombose zu nehmen.  

Das Monitoring auf die Blutverdünnung unter Marcumar kann diese Angst und Sorgen nehmen und hat damit einen starken positiven psychologischen Effekt.

Stehst Du selbst vor der Entscheidung, welches der im Beitrag genannten Medikamente Du einnehmen solltest und hast weitergehende Fragen zu diesem Thema?

Dann scheue Dich nicht, Fragen zu stellen oder kontaktiere mich gerne auch direkt!


Marcumar oder neue Blutverdünner nach Thrombose?
Welche Medikamente sollte der Thrombosepatient bevorzugen?
Cumarine versus neue orale Antikoagulantien - Teil 1

Gleich mit meinem ersten Beitrag zum Thema Thrombose möchte ich ein brisantes Streitthema angehen:

Welche Arzneimittel sollte man als Thrombosepatient bevorzugen?

Sollte man auf altbewährte Mittel, wie z. B. Marcumar vertrauen oder lieber auf die neuen Blutverdünner, wie z. B. Pradaxa, Xarelto oder Eliquis setzen, welche in den letzten Jahren den Markt erobern?

Dazu zunächst ein kurzer Ausflug in die Erklärung der Begriffe:

Zu den altbewährten und schon lange bekannten Mitteln gegen Thrombose zählen die Cumarine. Hierzu gehören die Wirkstoffe Phenprocoumon (z. B. in Medikamenten wie Marcumar oder Falithrom enthalten) und Warfarin (z. B. im Medikament Coumadin enthalten). Diese Medikamente bezeichnet man als Vitamin-K-Antagonisten (VKA).
Zur Vereinfachung werde ich bezüglich der Cumarine im weiteren Artikel nur noch von Marcumar sprechen.

Zu den neuen Blutverdünnern gehören die Wirkstoffe Dabigatran (Pradaxa), Rivaroxaban (Xarelto), Apixaban (Eliquis) und Edoxaban (Lixiana). Diese werden als neue orale Antikoagulantien (NOAK) oder direkte orale Antikoagulantien (DOAK) bezeichnet.

Marcumar versus neue orale Antikoagulantien?

Die aktuellen Leitlinien empfehlen beide Arzneimittel, sowohl die Cumarine (Phenprocoumon und Warfarin) als auch die neuen (direkten) oralen Antikoagulantien (Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban und Edoxaban).

Als ehemals Betroffener und als Apotheker werde ich oft gefragt, wie ich mich entscheiden würde? Dazu kann ich eine ganz klare Antwort geben. Ich würde weiterhin die Behandlung mit Marcumar vorziehen.

Langzeitnebenwirkungen der neuen Blutverdünner noch nicht bekannt

Seit 2008 wurden und werden die neuen oralen Antikoagulantien nach und nach in den Markt eingeführt. Diese neuen Blutverdünner sind somit noch sehr neu auf dem Markt, wie der Name ja selbst sagt.
Bei neuen Arzneimitteln sind jedoch noch niemandem die Langzeitnebenwirkungen bekannt.
Langzeitnebenwirkungen sind die Nebenwirkungen, die erst viele Jahre später nach der Anwendung auftauchen und extrem gefährlich sein können (z. B. Krebs). Daher sollte die Anwendung neuer Arzneimittel nur den Patienten vorbehalten sein, die die bisherigen Mittel wie z. B. Marcumar nicht vertragen oder bei denen Marcumar nicht wirksam ist. Marcumar hingegen ist bereits so lange im Markt, dass auch die Langzeitnebenwirkungen bekannt sind und die Sicherheit des Präparates diesbezüglich angepasst werden konnte.

Monitoring auch für neue Blutverdünner erforderlich?

Die Behandlung mit Marcumar erfordert eine ständige Überwachung (Monitoring), was bedeutet, dass regelmäßig durch Blutentnahme die Blutgerinnung per Messung des Quick- oder INR-Wertes bestimmt werden muss. Bei falschen Blutgerinnungswerten kann es zu erneuter Thrombose kommen oder, im entgegengesetzten Bereich, zu unerwünschten Blutungen, weshalb das Monitoring notwendig ist, um entsprechend die Arzneimittelgabe anpassen zu können.

Bei den neuen oralen Antikoagulantien ist ein Monitoring angeblich nicht notwendig, womit auf die ständige Blutentnahme verzichtet werden kann.

Dieser angebliche Vorteil wird von den Herstellern als wichtiges Werbeargument ins Feld geführt. Wird hier möglicherweise die Sicherheit einer Arzneimitteltherapie zugunsten besserer Vermarktungsstrategien geopfert? Der Verdacht könnte nahe liegen, wenn man einmal tiefer ins Detail geht.

Die neuen Blutverdünner werden nach vorgegebenem Schema eingenommen, eine ständige Anpassung der Dosis, wie bei Marcumar üblich, ist nicht vorgesehen. Eine korrekte Wirkung der neuen oralen Antikoagulantien ist nur dann möglich, wenn aus der eingenommenen Tablette eine bestimmte Menge an Wirkstoff ins Blut aufgenommen wird, es darf zu keiner Über- oder Unterdosierung kommen. Doch wie viel des Wirkstoffs aus der Tablette gelangt wirklich in Ihr Blut? Ohne ein Monitoring, eine entsprechende Messung, kann dies niemand wissen.  Nur weil bei anderen Versuchspersonen die Werte optimal waren, bedeutet das nicht, dass es bei jedem Menschen so ist, dafür sind wir genetisch zu unterschiedlich. Ist jedoch zu wenig Wirkstoff im Blut, kann es wieder zur Thrombose kommen, bei zu viel, kann es zu gefährlichen Blutungen führen.

Daher habe ich mich schon immer kritisch dazu geäußert und bin der Meinung, dass das fehlende Monitoring bei den neuen Blutverdünnern von Nachteil ist.

Zweifel an der Sicherheit der neuen oralen Antikoagulantien

Insbesondere zwei aktuelle Vorkommnisse bestärken mich in meiner Meinung, dass für die Sicherheit der neuen Blutverdünner ein Monitoring doch notwendig ist:

a)    Strafanzeige gegen Boehringer Ingelheim

Gegen das Unternehmen Boehringer Ingelheim, dem Hersteller von Pradaxa (Dabigatran), wurde letztes Jahr Strafanzeige wegen Täuschung der europäischen Zulassungsbehörde EMA sowie Patienten und Ärzte erhoben. Angeblich wurden Daten zu Unter- und Überdosierungen verschwiegen, welche ein Monitoring nötig gemacht hätten. Damit wäre jedoch das Haupt-Werbeargument, dass man eben auf das Monitoring verzichten kann, zunichte gemacht worden. Der Vorwurf ist übrigens nicht neu. Bereits 2014 hatte das British Medical Journal ähnliche Vorwürfe erhoben.

b)    Defekte Messgeräte in Bayer-Studie

Bezüglich des Gerinnungshemmers Xarelto (Rivaroxaban) der Firma Bayer wurde bekannt, dass die in den Studien verwendeten Messgeräte defekt waren und falsche Messergebnisse lieferten.  Zwar hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA sehr schnell Entwarnung gegeben, weil die falschen Messergebnisse angeblich nur einen nebensächlichen Effekt auf die Studienergebnisse gehabt haben könnten, doch da stellt sich mir eine begründete Frage: In einer Zulassungsstudie werden falsche Messergebnisse durch defekte Messgeräte erhalten, und dann soll das keinerlei Auswirkungen haben? Weshalb wurden die Messungen dann überhaupt durchgeführt, wenn deren Ergebnisse eh unwichtig sind?
Besonders kritisch sehe ich auch, dass Grundlage für die Entwarnung durch die EMA Analysen waren, welche im Auftrag von Bayer durch dieselben Autoren durchgeführt wurden, die bereits an der Zulassungsstudie mitgearbeitet hatten. Jedem sollte doch klar sein, dass weder Bayer, noch die Studienautoren ein Interesse daran haben können, die eigenen gravierenden Fehler aufzuklären und zuzugeben, was schlimmstenfalls das „Aus“ für den Verkaufsschlager bedeuten könnte. Hier wäre es dringend notwendig gewesen, unabhängige Prüfer einzusetzen. So sieht es auch der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, der sich von der schnellen Analyse überrascht zeigte.
Auch andere Wissenschaftler und Ärzte, wie der Kardiologe Harlan Krumholz von der renommierten amerikanischen Yale-Universität zweifeln weiterhin an der Sicherheit des Blutverdünners. Um hier Klarheit zu bekommen müsste Bayer Daten aus den Studien herausgeben, doch dagegen weigert sich das Unternehmen strikt.

Quellen:

  1. S2-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie, aktueller Stand: 10. Oktober 2015, Dt. Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin
  2. Handelsblatt vom 07.12.2015, Pharma unter Verdacht
  3. DAZ.online vom 08.12.2015, Boehringer im Visier der Staatsanwaltschaft
  4. aerzteblatt.de vom 24.07.2014, Dabigatran: Kontroverse um Drug Monitoring
  5. DAZ.online vom 09.12.2015, Xarelto-Zulassungsstudie wird überprüft
  6. DAZ.online vom 05.02.2016, EMA sieht keine Gefährdung durch Xarelto
  7. DAZ.online vom 23.02.2016, Ludwig kritisiert Entwarnung für Xarelto